Potzblitz Hotzenplotz!

Der Mann, der die Angst vertrieb: Der Geschichtenerzähler und Autor Otfried Preußler begeisterte Generationen von Kindern (und Erwachsenen)
Sein „Räuber Hotzenplotz“, sein „Kleiner Wassermann“, das sind nicht nur Klassiker im herkömmlichen Sinne des Wortes – sie sind längst in den Rang von Grimms Märchen, von Mythen und Sagen gelangt, von denen man denkt, dass sie eigentlich immer schon da waren und zum Wissens- und Bilderschatz eines Sprachraums gehören.
Preußlers Geschichten waren schon Fantasy, bevor es das Wort gab – das Fantastische daran aber war das, was Kinder jeden Tag erleben, womit sie mal um mal fertig werden müssen: Der Einbruch des Unvertrauten, des Anderen, des Fremden in den Alltag. So wie sich der „kleine Wassermann“ und die „kleine Hexe“ darin zurechtfinden und alles meistern, was sich ihnen entgegenstellt, so werden sie zu großen Vorbildern, ohne sich zu Riesen in unerreichbarer Ferne zu entwickeln.
Preußler sagte über seine jungen Leser : "Sie wollen keine Lehrstücke, sondern Geschichten, die der Phantasie Nahrung geben und ihnen auf dem Weg der Poesie helfen, mit mancherlei Ängsten besser fertigzuwerden." Dem "natürlichen Optimismus", mit dem Kinder nach Preußlers Meinung zur Welt kommen, wollte er mit seinen Büchern "Vorschub leisten". Er finde es unverantwortlich, "Kinder in den für sie bestimmten Geschichten und Büchern mit Problemen zu konfrontieren, um deren Lösung gefälligst wir, die Erwachsenen, uns zu bemühen haben".
Preußler wurde 1923 im böhmischen Reichenberg geboren. Schon mit zwölf Jahren schrieb er seine ersten Geschichten. Er wollte später als Schriftsteller in Prag leben. Doch nach dem Abitur 1942 wurde er zur Wehrmacht einberufen und kam nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft 1949 ins oberbayerische Rosenheim.
Um sich eine Existenz aufzubauen, fing er noch während des Lehramtsstudiums mit dem Schreiben an - zunächst als radelnder Lokalreporter, dann als Autor für den Kinderfunk. Sein erster großer Erfolg gelang Preußler 1956 mit dem "Kleinen Wassermann". 1962 erfand Preußler die legendäre Figur des Räuber Hotzenplotz.
Als Volksschullehrer musste er Klassen bändigen, in denen bis zu zehn Jahrgänge und über 50 Schüler unterrichtet werden sollten – und auch hier erwiesen sich Preußlers Geschichten, die er schon an seinen drei Töchtern erprobt hatte, als probates Mittel zur Behebung von Aufmerksamkeits-Defiziten.
Immer aber hatte Preußlers Geschichten die wunderbare Eigenart, die Fantasie von Kindern nicht in Beschlag zu nehmen, sondern ihr Futter zu geben, zum Ausmalen, zum Vorstellen, zum Ausdenken.
Bis 1970 arbeitete Preußler als Volksschullehrer und Rektor in Rosenheim, danach widmete er sich ausschließlich der Schriftstellerei. Dabei verwendete er einen beträchtlichen Teil seiner Zeit für den Briefwechsel mit Kindern aus aller Welt, denn in humanistischer Tradition war er davon überzeugt, dass "Sprache der Schlüssel zur Welt" sei.
Kritikern, die Preußler in den Jahren nach 1968 vorhielten, man könne Kindern im ausgehenden 20. Jahrhundert keine Geschichten mehr von Hexen, Wassergeistern, Zauberern, Feen und kleinen Gespenstern erzählen, begegnete er mit Entschiedenheit. "Darauf kann ich nur antworten, dass ich es nicht nur für richtig, sondern für wichtig halte - für lebenswichtig, um es genau zu sagen. Oder gehört zum vollen Menschsein nicht auch die Fähigkeit zu phantasieren, zu träumen?"
Der Philosoph LudwigWittgenstein formulierte es so:"Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meiner Welt".
Als Schule und insbesondere als SBBZ mit dem Förderschwerpunkt Sprache sehen wir im Sinne Otfried Preußlers unsere Aufgabe auch darin, diese Grenzen immer wieder ein kleines Stück zu erweitern.
Otfried Preußler starb 2013 im Alter von 89 Jahren.
Kasperl und Seppel würden in seinem Gedenken eine Portion Bratwurst mit Sauerkraut essen.

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